II. Zigeunermusik
Ein Geigenschluchzen, Jauchzen, Singen
ein herzverwirrendes Getön!
Ein leidenschaftlich schwüles Klingen,
erschreckend fast, und dennoch schön!
Noch wucherten am Felsgelände
die wilden Rosen weiß und rot —
und fühlten schon die Sommerwende
und fühlten schon den nahen Tod.
Da war's, als ob die Geigen sängen:
"Mein Glück, ich rufe! Hörst du mich?"
Ein Widerhall in Cymbalklängen:
"Ich liebe, liebe, liebe dich!"
Froh ging ein wirres Leutewandern
durch Blumenwege, reich geschmückt —
wir beide einsam, fern den andern,
zu blauem Eiland still entrückt!
Es sprach ein Blick nur, den wir tauschten -
ein Suchen, ach, und doch ein Fliehn -
und unsre Seelen träumten, lauschten
den glutdurchwühlten Melodien.
Doch alles Trunkene und Heiße
in dieser Geigen wildem Sang
verwandelte sich zart und leise
für uns in heiligreinen Klang.
Gewiegt von weltverlornen Fluten,
umglänzt von aller Freude Schein,
genossen wir in süßen Gluten
das scheue Glück: uns nah zu sein.