I. Begegnung
Was Wunsch heißt und Verlangen, war mir ferne.
Es schwieg mein Herz. Und meine Sehnsucht schlief.
Da kam's. Und vier erschrockne Augensterne
versanken ineinander, heiß und tief.
Ein banges Staunen und ein wehes Brennen,
ein Geben, Nehmen — ach, der süße Tausch! -
Ein selig Zittern, schweigendes Erkennen,
und aller Menschenfreude schönster Rausch!
Als hätten sich zwei Seelen jäh gefunden,
die sich gesucht seit Ewigkeiten her -
Und du und ich! Für ewig nun verbunden!
Und doch geschieden wie durch Berg und Meer!
Ein zärtlichstummes Ineinandersausen,
und im Erwachen noch ein letzter Blick -
und alles Märchen der verklärten Augen
sank in das Grau der Wirklichkeit zurück.