Die Leuchttürme

by Charles Baudelaire

Rubens · der müssigkeit garten · fluss von vergessen Und pfühl frischen fleisches · für unsre liebe wol leer · Doch von einem leben so strömend und drängend besessen Wie luft in dem himmel und wie das meer in dem meer.

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Leonardo da Vinci · ein spiegel tief und dunkel

Wo reizende engel mit ihrem süss-lächelnden mund Und voll von geheimnis erscheinen im abendgefunkel Der gletscher und fichten · des heimatlands hintergrund. [21] Rembrandt · trauriges siechhaus voll murmelnder stimmen

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Und mit einem grossen kruzifix nur geschmückt ·

Wo beten und weinen über dem unrat schwimmen – Und jählings von einem winterstrahle durchzückt. Michelangel · nebelwelt wo die giganten hämmern Und märtyrer dulden · wo sich in die höhe streckt

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Aus seinem grab ein mächtig gespenst das im dämmern

Sein schweisstuch zerreisst indem es die finger reckt. Der wettkämpfer wüten · das schamlose treiben der faunen: Du der die schönheit bei pöbel und schurken fand · Du stolzen sinnes doch schwach und mit giftigen launen ·

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Puget · du trauriger fürst in der sträflinge land.

Watteau - ein fasching wo viele erlauchte herzen Wie schmetterlinge irren mit zuckendem glanz · Ein frischer und leichter zierrat erhellt von den kerzen Die tollheit giessen in diesen wirbelnden tanz.

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Goja · ein nachtmahr von unergründeten dingen ·

Von leichen die man an hexensabbaten sott · Wo weiber vorm Spiegel und nackte mädchen sich schwingen Die strümpfe sich bindend den lüsternen geistern zum spott. [22] Delacroix · blut-see wo böse engel sich scharen ·

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Darüber die schatten der stets grünen fichten ziehn ·

Wo unter dem traurigen himmel fremde fanfaren Wie ein erstickter seufzer von Weber fliehn. – Dies alles an flüchen an lästerungen an träumen Verzückungen klagen thränen und lobliedern trifft

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Sich wie ein echo aus tausend verschlungenen räumen ·

Es ist für die menschen ein göttlich berauschendes gift · Es ist ein laut den tausend schildwachen schreien · Ein losungswort das von tausenden lippen schwirrt · Es ist ein leuchtturm der flammt über tausend basteien ·

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Ein ruf von jägern im dickicht des waldes verirrt.

Dies ist es o Gott! was bei all deinen herrlichkeiten An unsre würde uns den glauben erwirbt: Der glühende seufzer der hinrollt von zeiten zu zeiten Und der am rande deiner ewigkeit stirbt.

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