Die gelben Margeriten

Drei gelbe Margeriten
in meinem grünen Glas
nicken von schlanken Stengeln,
eine Sense hör ich dengeln,
ihr gelben Margeriten
in meinem grünen Glas.

Die lauen Lüfte wehen,
in Sonne liegt das Feld,
die Ähren alle biegen
und beugen sich und wiegen
sich wie die Lüfte wehen,
in Sonne liegt das Feld.

Die Ähren und die Halme,
die Blumen und das Gras,
sie können nicht immer prangen,
vergehen heißt's, vergangen!
Die Ähren und die Halme,
die Blumen und das Gras.

Die zarten Sterne aber,
die mir die Liebste gab,
leuchten über den schmalen
Rand herüber und prahlen,
die zarten feinen Sterne,
die mir die Liebste gab.

Die gelben Margeriten
in meinem grünen Glas,
da ist der ganze helle
lachende Sommer zur Stelle:
Drei gelbe Margeriten
in meinem grünen Glas.

aus: Gesammelte Dichtungen von Gustav Falke
Vierter Band: Der Schnitter
Hamburg und Berlin Alfred Janssen 1912

Collection: 
1912

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