Dichterschmerz

by Emmy von Dincklage

Die wunde Hinde flieht zum Wald, Daß einsam sie verschmachtet, Wo nichts als ihr Geächz erschallt Und tiefer Schatten nachtet. Der Tiger, dem der Sehne Schwung Den Todespfeil gesendet, Erhebt sich in gewalt'gem Sprung Und stürzt - und ist verendet. Und in die Wellen taucht der Schwan, Blut rötet sein Gefieder, Zurück auf seine lichte Bahn Trägt nur der Tod ihn wieder; Da aber, wo ein Menschenherz In dunklen Weisen flutet, Da wisse, daß der Dichterschmerz In Liedern sich verblutet! aus: Deutsche Dichterin[n]en und Schriftstelerin[n]en in Wort und Bild Herausgegeben von Heinrich Groß II. Band Berlin 1885 (S. 234)

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