Der Zwölf-Elf

by Christian Morgenstern

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Der Zwölf-Elf

Der Zwölf-Elf hebt die linke Hand: Da schlägt es Mitternacht im Land. Es lauscht der Teich mit offnem Mund. Ganz leise heult der Schluchtenhund.

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Die Dommel reckt sich auf im Rohr.

Der Moorfrosch lugt aus seinem Moor. Der Schneck horcht auf in seinem Haus; desgleichen die Kartoffelmaus. Das Irrlicht selbst macht Halt und Rast

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auf einem windgebrochnen Ast.

Sophie, die Maid, hat ein Gesicht: Das Mondschaf geht zum Hochgericht. Die Galgenbrüder wehn im Wind. Im fernen Dorfe schreit ein Kind.

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Zwei Maulwürf küssen sich zur Stund

als Neuvermählte auf den Mund. Hingegen tief im finstern Wald ein Nachtmahr seine Fäuste ballt: Dieweil ein später Wanderstrumpf

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sich nicht verlief in Teich und Sumpf.

Der Rabe Ralf ruft schaurig: ,Kra! Das End ist da! Das End ist da!' Der Zwölf-Elf senkt die linke Hand: Und wieder schläft das ganze Land.

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