Der Spaziergang
[36] DER SPAZIERGANG 1. Musik summt im Gehölz am Nachmittag. Im Korn sich ernste Vogelscheuchen drehn. Hollunderbüsche sacht am Weg verwehn; Ein Haus zerflimmert wunderlich und vag.
Auf einem Stein steht eine heitere Zahl. Auf einer Wiese spielen Kinder Ball, Dann hebt ein Baum vor dir zu kreisen an. Du träumst: die Schwester kämmt ihr blondes Haar,
Ein Schober flieht durchs Grau vergilbt und schief Und manchmal schwebst du leicht und wunderbar. 2. Die Zeit verrinnt. O süßer Helios! O Bild im Krötentümpel süß und klar;
Goldammern wiegt ein Busch in seinem Schoß. Ein Bruder stirbt dir in verwunschnem Land Und stählern schaun dich deine Augen an. In Goldnem dort ein Duft von Thymian.
Die Liebenden in Faltern neu erglühn Und schaukeln heiter hin um Stein und Zahl. Aufflattern Krähen um ein ekles Mahl Und deine Stirne tost durchs sanfte Grün.
Nachgleitet dir ein heller Kindertag, Der graue Wind, der flatterhaft und vag Verfallne Düfte durch die Dämmerung spült. 3. Ein altes Wiegenlied macht dich sehr bang.
Traumwandelnd hörst du wie ihr Bronnen quillt. Aus Apfelzweigen fällt ein Weiheklang. Und Brot und Wein sind süß von harten Mühn. Nach Früchten tastet silbern deine Hand.
Mit friedlicher Geberde winkt das Grün. Gesegnet auch blüht armer Mägde Schoß, Die träumend dort am alten Brunnen stehn. Einsame froh auf stillen Pfaden gehn