Der Selbstmord

by Christian Fürchtegott Gellert

[31]
Der Selbstmord.

O Jüngling, lern aus der Geschichte, Die dich vielleicht zu Thränen zwingt, Was für bejammernswerthe Früchte Die Liebe zu den Schönen bringt!

5
Ein Beyspiel wohlgezogner Jugend,

Des alten Vaters Trost und Stab, Ein Jüngling, der durch frühe Tugend Zur größten Hoffnung Anlaß gab; Den zwang die Macht der schönen Triebe,

10
Climenen zärtlich nachzugehn;

Er seufzt, er bat um Gegenliebe; Allein vergebens war sein Flehn. Fußfällig klagt er ihr sein Leiden. Umsonst! Climene heißt ihn fliehn.

15
Ja, schreyt er, ja, ich will dich meiden;

Ich will mich ewig dir entziehn. Er reißt den Degen aus der Scheide, Und – – o was kann verwegner seyn! Kurz, er besieht die Spitz und Schneide,

20
Und steckt ihn langsam wieder ein.