Das ruhlose Thal

by Edgar Allan Poe (1809–1849) · 1891 German

Einst lächelte ein friedliches Thal,
Aus welchem die Leute allzumal
Gezogen waren in stürmische Fernen,
Nachdem sie zu den gütigen Sternen
Gefleht, von ihren azurnen Thürmen
Die Blumen im Thal zu pflegen, zu schirmen,
In deren Mitte den ganzen Tag
Das rothe Sonnenlicht träge lag.
Jetzt raschelt es durch den seltsamen Ort
Ruhlos, rastlos in einem fort.
Alles zittert und schauert, blos
Die Lüfte sind ganz bewegungslos.
Ach, von keinem Winde geschaukelt,
Nicht vom leisesten Zephyr umgaukelt,
Zucken die Bäume gleich den Fjorden
Im umnebelten felsigen Norden.
Ach, von keinem Winde getrieben,
Jagen die Wolken und zerstieben
Ueber den Veilchen, die dort liegen,
Ueber den Lilien, die sich dort wiegen,
Die sich wiegen und neigen und schauern,
Ueber mystischen Gräbern trauern.
Sie schauern: ihre duftenden Seelen
Zittern in immer währendem Leide.
Sie weinen: auf ihrem weißen Kleide
Schimmern die Thränen wie Juwelen.

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