Als er sie im garten bey einem andern sahe
Was seh ich? ist es wahr? darff ich den sinnen trauen?
Wie? oder seh ichs nicht / was doch die augen schauen?
Ach! ja / sie ist es selbst / ihr gang / statur und kleid /
Trifft mit Lisettens ein / hier ist kein unterscheid.
So bin ich ausgethan? So hat man mich vergessen?
Was Saladin an dir am ersten hat besessen?
O himmel / erd und lufft bestrafft den falschen sinn /
Und reisset mich zugleich durch euren eyfer hin!
Heist dieses mir getreu? Heist dieses mich nur lieben?
Nein! du hast deinen scherz mit meiner pein getrieben.
Ach! daß ich dich gesehn! ach! daß ich dir vertraut!
Ach! daß ich meine treu auff deinen sand gebaut!
Seht wie sie Vermidor auff tausend arth bedienet!
Seht wie er sie wohl gar zu küssen sich erkühnet!
O himmel / erd und lufft bestrafft den falschen sinn!
Und reisset mich zugleich durch euren eyfer hin.
Die bäume scheinen selbst das falsche paar zu hassen /
Ihr schatten fliehet weg / wenn sie sich blicken lassen;
Der wipffel rauschen zeigt mir ihren unwill' an /
Ihr krachen dreuet schon / weil ich nicht straffen kan /
Und ihrer äste fall soll dich mit schrecken lehren /
Daß man nicht ungestrafft die treue kan versehren;
Drum himmel / erd und lufft strafft auch den falschen sinn /
Und reisset mich zugleich durch euren eyfer hin /
Mein auge schleuß dich zu; ihr schnellen füsse fliehet!
Weil mir mein unglück hier in diesen fluren blühet;
Ach! könt aus ihrem garn mein geist so leicht entfliehn /
Als ihrer gegenwart sich kan mein fuß entziehn!
Allein so werd ich sie biß in den tod verehren /
Ob ihre falschheit gleich muß meinen schmerz vermehren /
O himmel / erd und lufft bestrafft den falschen sinn!
Und reisset mich zugleich durch euren eyfer hin!
Doch nein / nein / schonet noch der / ob zwar falschen / schönen!
Vielleicht wird sie mit mir sich wiederum versöhnen;
Ja solt es nicht geschehn / so straffet mich allein /
Sie aber lasset stets vergnügt und glücklich seyn;
Ich will vor ihre schuld mit meinem leben büssen;
So wird sie denn zuletzt aus meiner treue schlüssen /
Daß ihrer liebe werth nur ich gewesen sey /
O himmel / erd und lufft stimt meinem wuntsche bey.
(Theil 4 S. 47-48)
Wie? oder seh ichs nicht / was doch die augen schauen?
Ach! ja / sie ist es selbst / ihr gang / statur und kleid /
Trifft mit Lisettens ein / hier ist kein unterscheid.
So bin ich ausgethan? So hat man mich vergessen?
Was Saladin an dir am ersten hat besessen?
O himmel / erd und lufft bestrafft den falschen sinn /
Und reisset mich zugleich durch euren eyfer hin!
Heist dieses mir getreu? Heist dieses mich nur lieben?
Nein! du hast deinen scherz mit meiner pein getrieben.
Ach! daß ich dich gesehn! ach! daß ich dir vertraut!
Ach! daß ich meine treu auff deinen sand gebaut!
Seht wie sie Vermidor auff tausend arth bedienet!
Seht wie er sie wohl gar zu küssen sich erkühnet!
O himmel / erd und lufft bestrafft den falschen sinn!
Und reisset mich zugleich durch euren eyfer hin.
Die bäume scheinen selbst das falsche paar zu hassen /
Ihr schatten fliehet weg / wenn sie sich blicken lassen;
Der wipffel rauschen zeigt mir ihren unwill' an /
Ihr krachen dreuet schon / weil ich nicht straffen kan /
Und ihrer äste fall soll dich mit schrecken lehren /
Daß man nicht ungestrafft die treue kan versehren;
Drum himmel / erd und lufft strafft auch den falschen sinn /
Und reisset mich zugleich durch euren eyfer hin /
Mein auge schleuß dich zu; ihr schnellen füsse fliehet!
Weil mir mein unglück hier in diesen fluren blühet;
Ach! könt aus ihrem garn mein geist so leicht entfliehn /
Als ihrer gegenwart sich kan mein fuß entziehn!
Allein so werd ich sie biß in den tod verehren /
Ob ihre falschheit gleich muß meinen schmerz vermehren /
O himmel / erd und lufft bestrafft den falschen sinn!
Und reisset mich zugleich durch euren eyfer hin!
Doch nein / nein / schonet noch der / ob zwar falschen / schönen!
Vielleicht wird sie mit mir sich wiederum versöhnen;
Ja solt es nicht geschehn / so straffet mich allein /
Sie aber lasset stets vergnügt und glücklich seyn;
Ich will vor ihre schuld mit meinem leben büssen;
So wird sie denn zuletzt aus meiner treue schlüssen /
Daß ihrer liebe werth nur ich gewesen sey /
O himmel / erd und lufft stimt meinem wuntsche bey.
(Theil 4 S. 47-48)