William Shakespeare

Gender: 
Male
  • Im tiefsten Schlafe seh’ am besten ich,
    Denn Tags begegn’ ich nur gemeinen Dingen;
    Im Traume schauen meine Augen dich,
    Die dunkelhell hell in das Dunkle bringen;
    5 Du, dessen Schatten Schatten leuchten macht,
    Wie würde nur dein Schatten uns entzücken
    Am...

  • Daß du sie hast, nicht kümmert das mich sehr,
    Obwohl von Herzen ich sie treu geliebt;
    Daß sie dich hat, das drückt mich wahrlich mehr,
    Ein Schmerz, der meine Liebe schwer betrübt.
    5 Die ihr mich kränkt, also entschuld’ ich euch:
    Du liebst sie, weil du weißt,...

  • Wenn Freiheit dich zu leichtem Fehl verführt,
    Wenn aus dem Herzen dir mein Bild entschwindet:
    Dir, da du jung und schön, Verzeih’n gebührt,
    Da leicht Versuchung, dich, verfolgend, findet.
    5 Sanft bist du, leicht gewonnen darum schon,
    Schön bist du, darum der...

  • Nimm all mein Lieben, Lieb, ja es sei dein,
    Was mehr, als du gehabt, gewinnest du!
    Nicht wahre Liebe, Lieb kann ja das sein,
    Was mein, war dein, eh’ das du nahmst dazu;
    5 Wenn mir zu Lieb’ mein Lieben dir ist werth,
    Tadl’ ich dich nicht, denn du brauchst meine...

  • Des Löwen Klauen stumpfe, grimme Zeit,
    Die Erde laß verschlingen ihre Brut,
    Entwaffne du des Tigers Grausamkeit,
    Erstick’ den Phönix in des Feuers Gluth.
    5 Mag deiner Flucht entsprießen Freud’ und Leid;
    Die Welt mit Allem, was sie Schönes hat,
    Verfallen...

  • Nicht in den Sternen les’ ich das Geschick,
    Doch hab’ ich ihre Deutung wohl erkannt;
    Nicht zwar verkünd’ ich gut und böses Glück,
    Noth, Theurung und der Jahreszeiten Stand;
    5 Auch sag’ ich auf Minuten nicht voraus,
    Ob Regen, Donner, oder Wind uns trifft;...

  • O wärest du dein selbst! doch, Lieb, du bist
    So lange, als du hier dir lebst, nur dein;
    Drum magst du rüsten dich zu solcher Frist,
    Und Anderen dein süßes Bild verleih’n.
    5 So wird die Schönheit, die zum Lohn du hast,
    Ganz unbegrenzt sein, und du wirst von Neu’...

  • Zähl’ ich die Uhr, die uns die Zeit verkündet,
    Seh’ ich, wie in die Nacht der Tag versinkt,
    Wie schnell des Veilchens Blüthenzeit verschwindet
    Und auf dem schwarzen Haar das Silber blinkt;
    5 Seh’ ich, wie von dem Baum die Blätter flieh’n,
    Die kaum die Heerde...

  • So schnell du welkst, so schnell wächst du von Neu’m
    In deinem Sprößling, seit du ihn geboren;
    Das frische Blut, das jung du wirst verleih’n,
    Heißt dein’s, wenn du die Jugend auch verloren.
    5 Darin lebt Zuwachs, Weisheit, Lieblichkeit,
    Darohne Alter und...

  • Fern war ich von dir in der Frühlingszeit,
    Wann bunter Mai in seiner stolzen Pracht
    Jeglichem Dinge frischen Reiz verleiht,
    Daß selbst Saturn, der alte, mit ihm lacht.
    5 Doch Vogelsang und Blumen, schön erblüht
    In bunten Farben auf der grünen Flur,
    ...