William Shakespeare

Gender: 
Male
  • Nicht eigne Furcht, nicht das Prophetendichten
    Der weiten Welt, die Zukunftsträume nährt,
    Kann meiner treuen Liebe Bund vernichten,
    Als ob mein Recht auf Frist mir nur gewährt.
    5 Der bleiche Mond, er konnt’ Verfinsterung höhnen,
    Der Augur...

  • Wenn in der Chronik längst verschollner Zeit
    Ich dargestellt sah schöner Reden Bild,
    Im alten Reim, der Schönheit Dienst geweiht,
    Verblichner Frau’n und Ritter Preis enthüllt;
    5 Wie holder Reiz im Liede ward verehrt
    Von Hand und Fuß, von Auge, Lipp’ und Brau’n...

  • Laß nicht abgöttisch meine Liebe heißen,
    Noch den Geliebten nur ein leer Gedicht,
    Da gleicher Weis’ mein Singen und mein Preisen
    Von ihm und zu ihm stets dasselbe spricht.
    5 Mein Lieb ist freundlich heut und freundlich morgen,
    Und stete Treue schmückt ihn...

  • Der kleine Liebesgott legt’ einst im Schlaf
    Zur Seite sich den herzerglüh’nden Brand,
    Als eine Schaar von Nymphen auf ihn traf,
    Die ew’ge Keuschheit schwur. In ihre Hand
    5 Die schönste Spröde nahm den Feuerstrahl,
    Der viele treue Herzen einst entzündet;
    ...

  • Cupido einst den Brand zur Seite schlief;
    Dianens Mädchen fand ihn glücklich dort,
    Und tauchte seine Liebesfackel tief
    In einen kühlen Quell an jenem Ort.
    5 Sogleich durchzieht die heil’ge Liebesgluth
    Mit heißen Flammen ihn auf ew’ge Zeit,
    Als heißes Bad...

  • Du weißt, daß meine Lieb’ ich dir gebrochen,
    Doch ist zwiefacher Meineid deine Schuld,
    Da deine That der Treue Hohn gesprochen,
    Und neuen Haß du trugst nach neuer Huld.
    5 Was schadt’s, daß zweimal du mich hast betrogen,
    Da zwanzigmal ich’s that? Falsch war mein...

  • Lieb’ ist zu jung, zu kennen das Gewissen,
    Doch wer weiß nicht, daß es es entsteht aus ihr?
    Drum, Holde, laß mich deinen Vorwurf missen,
    Sonst bist du, Liebchen, selber Schuld an mir.
    5 Denn wenn du mich verführst, verführ’ auch ich
    Den edlern Theil von mir zum...

  • Von welcher Macht empfingst du die Gewalt,
    Daß du mein Herz beherrschest, selbst so schwach?
    Daß oft mein treues Aug’ ich Lügner schalt,
    Und schwur, nicht schmücke Lichtes Glanz den Tag?
    5 Woher ward deiner Schlechtigkeit die Gunst,
    Daß selbst in deiner...

  • O sage nicht, mein Herz sei wandelbar,
    Wenn Trennung meine Gluth zurückedrängt!
    Wohl eher ließ mein Leben ich fürwahr,
    Als meine Seele, die dein Herz umfängt.
    5 Das ist der Liebe Heimath, und mich führt,
    Dem Wandrer gleich, die lange Fahrt zurück;
    Zu...

  • Mir, schöner Freund, kannst nie du werden alt,
    Denn wie du warst, da ich zuerst dich fand,
    Ist deine Schönheit noch. Drei Winter kalt,
    Drei Sommern haben sie den Schmuck entwandt;
    5 Drei schöne Lenze haben sich gekehrt,
    Im gelben Herbst allmälig zu verblüh’n;...