William Shakespeare

Gender: 
Male
  • Vor alter Zeit ward Schwarz nicht schön erachtet,
    War’s, trug es doch der Schönheit Namen nicht;
    Doch nun wird Schwarz als Schönheitserb’ betrachtet,
    Und Bastardschmach entstellt ihr Angesicht.
    5 Seit jede Stümperhand Natur sich glaubt,
    Das Häßliche verschönt...

  • O du, mein holder Knabe, dessen Macht
    Der Zeiten Sens’ und Stundenglas bewacht,
    Der schwindend wuchs, und offen uns gelehrt,
    Wie welk sein Freund, da Blüthe dir gewährt;
    5 Wenn dich Natur, die Herrin aller Welt,
    Im Vorwärtsgehen stets zurückehält,
    So hat...

  • Sollt’ über dich ich Prunkgezelt’ ausbreiten,
    Mit Aeußrem ehren deinen äußren Schein?
    Gebäude gründen dir für Ewigkeiten,
    Die dem Verfall bald Beute müßten sein?
    5 Wie Viele, lüstern nach der Schönheit Gunst,
    Sah Alles ich durch hohen Zins einbüßen?
    Die...

  • Des Geistes Aufwand bei der Schandthat Plan
    Wird bei der That zur Lust, und bis zur That
    Ist blutig, treulos, mördrisch, voll von Wahn,
    Und wild die Lust, und roh und voll Verrath.
    5 Befriedigt kaum, läßt sie des Ekels Spur;
    Sinnlos wird sie begehrt, und kaum...

  • Wär’ nur ein Kind von Stande meine Liebe,
    Wär’ vaterlos, Bastard des Glücks sie nur,
    Die in der Zeiten Lieb’ und Hasse bliebe,
    Kraut unter Kraut, Blum’ auf der Blumenflur.
    5 Sie ward gebaut vom Zufall fern und weit,
    Sie leidet nicht an Glanz und Pracht, sie...

  • Nie rühme meines Wechsels dich, o Zeit!
    Bau’ Pyramiden auf in neuer Pracht,
    Für mich sind sie auch keine Neuigkeit,
    Nur altes Werk, in neue Form gebracht.
    5 Beschränkt ist unser Ziel, und daher staunen
    Wir an, was Alles du uns zugewandt,
    Als ob du es...

  • Fest steh’n die Tafeln, die du mir verehrt,
    In meinem Haupt dem Andenken geweiht;
    Sie sollen ragen über niedern Werth
    Durch alle Zeit bis in die Ewigkeit.
    5 Zum wenigsten so lange Herz und Haupt
    Fortblüh’n in der naturgemäßen Kraft,
    Bis seinen Theil von...

  • Besser ist’s, schlecht zu sein, als so zu scheinen,
    Da Nichtsein Schmach vom falschen Sein empfängt,
    Gerechter Freud’ Verlust von Andrer Meinen,
    Von unserm eignen Fühlen ab nicht hängt.
    5 Warum soll frech der Falschheit arge Tücke
    Mein wildes Blut mit schnödem...

  • Wie freut es mich, daß du dereinst warst kalt;
    Um jene Sorgen, die mich da gequält,
    Beugt mich die Reu’ mit siegender Gewalt,
    Wenn, Eisen gleich, der Geist mir nicht gestählt.
    5 Denn hat dich so mein kalter Sinn durchdrungen,
    Wie deiner mich, du lebtest...

  • Wie, um die Eßlust gier’ger zu erhöh’n,
    Den Gaumen wir mit scharfen Tränken quälen,
    Wie, ungesehnen Uebeln zu entgeh’n,
    In Arzenei’n wir uns die Krankheit wählen:
    5 So hab’, von deiner Süße vollgenährt,
    Ich gern bequemet mich zu herben Brühen;
    Vor...