William Shakespeare

Gender: 
Male
  • Wenn meinen Theuren einst, wie mir geschieht,
    Der Zeit Unbill zerstörend wird erfassen,
    Sein Blut aussaugt und seine Stirn durchzieht
    Mit schnöden Furchen; wenn einst wird erblassen
    5 Sein Jugendmorgen unter Altersmüh’n;
    Wenn Reize, denen er, ein Fürst,...

  • Der Selbstsucht Sünde hält mein Aug’ umfangen,
    Beherrschet meinen Geist, mein ganzes Sein,
    Nicht Gegenmittel weiß ich zu erlangen,
    Da tief die Sünd’ im Herzen wurzelt ein.
    5 Kein Antlitz dünkt so hold mich als das meine,
    Kein Wesen zeiget so der Wahrheit Zier;...

  • Gebeutst du deinem Bild, wach zu erhalten
    Mein müdes Auge in der dunkeln Nacht?
    Ist es dein Wille, daß in Traumgestalten
    Dein Antlitz neckend mir entgegenlacht?
    5 Ist es dein Geist, den du von dir entsandt
    Von ferne her, mein Treiben zu erspäh’n?
    Hat...

  • Wie Wellen hin zum kies’gen Ufer rauschen,
    So eilen unsre Tage rasch zum Ziel;
    Im Wechsel müssen sie die Stellen tauschen,
    Sie dringen vorwärts stets in bunt Gewühl.
    5 Wenn die Geburt begrüßt des Lebens Licht,
    Zur Reife kriecht sie dann, die, kaum gewährt,...

  • Verhüte Gott, daß ich, dein Sklave, wollte
    Sie zählen, deiner Lust geweihte Stunden,
    Daß ich die Zeit dir je berechnen sollte,
    Die als Vasall mich deinem Dienst verbunden.
    5 O laß mich tragen, so es dir gefällt,
    Entfernung von dir, dem Gefangnen gleich;
    ...

  • Dein Sklave bin ich, sollt’ ich Andres streben,
    Als willig stets vollziehen dein Begehr?
    Kostbare Zeit nicht hab’ ich zu vergeben,
    Noch Dienste, da allein ich dir gehör’!
    5 Nicht darf ich schmäh’n die langen Marterstunden,
    Die ich, mein Herr, so oft für dich...

  • Erstark’, o Liebe! möge man nicht sagen,
    Daß stumpfer dein Begehr als Eßlust sei,
    Die schmausend heut’ sich sättigt mit Behagen,
    Gekräftigt morgen zum Genuss’ auf’s Neu’.
    5 So Liebe du, wenn heute auch du füllst
    Dein hungernd Aug’, bis übersatt es winket,...

  • Kein goldnes Ehrenmal, kein Marmorstein
    Der Fürsten überlebt dies mächt’ge Lied.
    Du strahlst in seinem Vers mit hellerm Schein,
    Als jener Stein, den alter Staub umzieht.
    5 Die Säule stürzt des Krieges wilde Wuth,
    Des Maurers Werk zerstört des Aufruhrs Drang;...

  • Wenn Alles war, was ist, wenn Nichts auf Erden
    Neu – arg wird dann des Menschen Hirn bethört,
    Das, rastlos grübelnd über neues Werden,
    Ein altes Kind zum zweiten Mal gebärt.
    5 O daß zurück Geschichte könnte reichen
    Fünfhundert Sonnenläuf’! – ich möchte seh’n...

  • O, wie vielmehr erscheint die Schönheit schön,
    Wenn süßen Schmuck die Treue ihr gegeben!
    Die Ros’ ist schön, doch ihren Rang erhöh’n
    Die süßen Düfte, welche in ihr leben.
    5 Die Hageros’ hat gleichen Farbenglanz
    Und gleicher Röthe Gluth wie duft’ge Rosen,...