William Shakespeare

Gender: 
Male
  • Der Farbe Mangel merkt’ ich nie an dir,
    Nicht wollt’ ich drum als Farbenbild dich malen;
    Du übertriffst, so offenbart sich’s mir,
    Den winz’gen Zoll, den Dichtung dir kann zahlen.
    5 Daher war lässig ich in deinem Ruhm,
    Daß selbst du durch dein Wesen mögst...

  • Mit dir ist meine Muse nicht vermählt;
    Daher magst ungerührt du überseh’n
    Die Widmungsworte, die der Dichter wählt,
    Daß holder Inhalt auch sein Buch verschön’.
    5 Du fandst, an Reizen wie an Weisheit gleich,
    Daß über meinen Preis dein Werth erhaben,
    Darum...

  • Mag lebend ich die Grabschrift einst dir dichten,
    Magst dau’rn du, wenn ich längst des Grabes Raub;
    Dein Angedenken kann kein Tod vernichten,
    Bin auch vergessen ich mit meinem Staub’.
    5 Unsterblich wird dein Nam’ hinieden leben,
    Wenn todt ich einst, vergessen...

  • Wie muß ich zagen, will von dir ich singen,
    Da einen bessern Geist du hast beseelt,
    Der deinem Preis geweiht der Kräfte Ringen,
    Stumm macht mich, wenn er deinen Ruhm erzählt.
    5 Doch wird dein Werth, wie Ocean so weit,
    Das ärmste Segel wie das stolzste tragen;...

  • So oft als meine Muse rief ich dich,
    Und Hülfe hast du meinem Vers gespendet;
    Doch andre Dichter machten es wie ich,
    Ihr Reim ward unter deinem Schutz verschwendet.
    5 Dein Auge, das den Stummen lehrte singen
    Und plumper Einfalt gab erhabnen Flug,
    Ein neu...

  • Es zeigt dein Spiegel deiner Reize Schwinden,
    Die Uhr der köstlichsten Minuten Flucht;
    Die weißen Blätter mögen drum verkünden
    In dieser Lehre deines Geistes Frucht:
    5 Die Runzeln, die dein Spiegel wiederstrahlet,
    Sie mahnen dich an offner Gräber Ruh’,
    ...

  • Warum mein Vers der Neuheit Glanz entbehrt,
    Stets arm sich zeigt an flücht’gen Wechselbildern?
    Warum mein Blick der Zeit nicht zugekehrt,
    Daß Fremdes ich in neuer Art könnt’ schildern?
    5 Warum wohl schreib’ ich stets dasselbe Eine,
    Bekleide mein Gedicht mit alt...

  • Wie Lebensnahrung bist du meinem Herzen,
    Wie duft’ger Regen, der das Land durchdringt;
    Für deinen Frieden kämpf’ ich gern mit Schmerzen,
    Dem Geize gleich, der mit dem Reichthum ringt:
    5 Jetzt stolz sein Gut genießend, zitternd dann,
    Daß schnöde Zeit den Schatz...

  • So lang allein ich deine Hülf’ erfleht,
    Hast Anmuth meinem Verse du verliehen;
    Doch jetzt ist ganz mein süßer Sang verweht,
    Die kranke Muse muß vor Andern fliehen.
    5 Gesteh’ ich’s: es verdient dein holdes Wesen,
    Daß würdigerer Meister hold es malt;
    Doch...

  • Beruh’ge dich, wenn schnödes Machtgeheiß
    Ohn’ Gnade mich von hinnen wird vertreiben;
    Nimm diese Zeil’ als meines Lebens Preis,
    Erinn’rung wird in ihr stets nah dir bleiben.
    5 Schweift über dies dein Blick, dann wird sich zeigen
    Der Theil von mir, der ganz dir...