William Shakespeare

Gender: 
Male
  • O gleich dem Winter war Abwesenheit
    Von dir, des flieh’nden Jahres süßer Luft!
    Was für ein Frost! Wie dunke Tageszeit,
    Als läg’ ich an Decembers kalter Brust!
    5 Und doch war Sommertag mir diese Frist,
    Ein reicher Herbst, der volle Garben bot,
    Und viel...

  • Für Fehler Mancher deine Jugend hält,
    Und Mancher nennt die Jugend deinen Ruhm;
    Da Ruhm und Fehler liebt die ganze Welt,
    So machst du deinen Fehler dir zum Ruhm.
    5 So wie an einer Kön’gin hoher Hand
    Wird angestaunt das schlechteste Juwel,
    So diese Fehler...

  • Wie anmuthig machst du die Schande nicht,
    Die gleich dem Wurm in duftbeseelter Rose
    Die Schönheitsknospe deines Namens bricht!
    Und birgst die Sünd’ in lieblichem Gekose!
    5 Die Zunge, die von deinem Thun erzählt
    Und üpp’ge Deutung deinen Scherzen leihet,
    ...

  • Das frühe Veilchen ward drum so bedroht: –
    Wo hast du, holder Dieb, den Duft genommen,
    Als aus des Liebsten Hauch? Das Purpurroth,
    Was deine zarte Wange hat bekommen,
    5 Tauchst du in Farben, die sein Blut dir bot,
    Um deine Hand schalt ich die Lilienblüthen,...

  • Wer machtbegabt einschränkend sich bescheidet,
    Wer zeiget nicht, was reich ihm ist verlieh’n;
    Wer felsenfest, wenn Andre leicht er leitet,
    Wer der Versuchung trotzt mit starrem Sinn;
    5 Des Himmels Gunst ist lohnend dem geneigt,
    Der mit des Himmels Gütern...

  • So werd’ ich leben, wähnend dich mir treu,
    Wie ein betrogner Gatte; deiner Liebe
    Antlitz vertrau’n, wenn dies stets wechselt neu;
    Dein Blick bei mir, dein Herz bei Andern bliebe.
    5 In deinem Auge ist für Groll nicht Raum,
    Nicht kündet es dein unbeständig Wesen...

  • Und thust dein Schlimmstes du, mir zu entweichen
    Für Lebenszeit, doch nenn’ ich ganz dich mein;
    Mein Leben muß mit deiner Lieb’ erbleichen,
    Denn Nahrung giebt ihm deine Lieb’ allein.
    5 Nicht fürcht’ ich drum, mag droh’n mir auch Unheil,
    Da das geringste schon...

  • Der prahlt mit Ahnen, der mit seinem Geld,
    Mit Wissen dieser, der mit Leibeskraft;
    Mit Kleidern, wie auch Mode sie entstellt,
    Mit Ruhm, den Falke, Hund und Roß verschafft;
    5 Und jede Laune hegt die eigne Lust,
    Die Freude vor den Andern ihr verleiht;
    Doch...

  • So hasse mich – mir gleich, wenn du gewillt,
    So lang’ die Welt noch meine Thaten schändet,
    Daß meines Unglücks Maß, durch dich gefüllt,
    Des Schicksals Groll nicht spät an mir verschwendet.
    5 Ach! wenn mein Herz entronnen ist den Sorgen,
    Nicht zeig’ im Nachtrab...

  • O leugne, daß du Liebe fühlst für Einen,
    Da für dich selbst du ohne Sorgfalt bist;
    Dich liebte Mancher, wollt’ es dir nur scheinen;
    Doch daß du Keinen liebst, zu deutlich ist.
    5 Denn so bist du von blut’gem Haß erfüllt,
    Daß gegen dich Verschwörung du gehst ein...