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21. Albert Möser 1890

21.
Neue Liebe
Ich grüße dich, o Mitternacht: wie lange
Hab' ich ins dunkle Aug' dir nicht gesehen!
Ich schlief: es zwingt nur Schlaf des Busens...

21. Ernst Schulze 1841

Tauche hervor aus dem dichten Gewölk, bleichschimmerndes Mondlicht,
Leite des Liebenden Schritt durch die chaotische Nacht,
Und ihr Blumen der himmlischen Flur, hülfreiche Gestirne,
Sendet den traulichen Strahl auf den unendlichen Weg!
Ueber...

22. Gisela Etzel 1912

22.
Ich liege auf dem Rücken hoch im Heu:
Wie anders sieht sich doch der Himmel an,
So weit und tief und auch so seltsam neu,
Als ob ein blauer Traum ihn spann.

Die Sonne hüllt ihr Gold in warmes Grau,
Hoch über...

22. Albert Möser 1890

22.
Nicht lieb' ich dich, weil hold du bist zu schaun,
Weil deines Leibes Formen zart sich ründen,
Nicht, weil in deiner Seele ros'gen Gründen
Anmuth und Scherz gern eine Statt sich baun:

Was Liebe weckt, es ist nichts...

22. Ernst Schulze 1841

Einsam stieg ich empor auf des Harzwalds steilerem Bergpfad,
Nahete dir mich schon, ewiger, alter Granit,
Wo hochlodernd einst durch die Nacht vom felsigen Altar
Hell ins ferne Gefild flammte das Opfer des Mais.
Träumend schritt ich dahin,...

23. Gisela Etzel 1912

23.
Du anmutvolle Frau, du lieb Gesicht,
Wie liegst du, Schöne, mir so tief im Sinn!
Vielleicht, weil ich wie du so leicht und licht,
Wie du so immer neu und seltsam bin.

Hellbraunes Haar um feine breite Schläfen,...

23. Albert Möser 1890

23.
Wohl schweif' ich gern im schattig-grünen Hain,
Doch nur, wenn du auch wandelst durchs Gezweig;
Mein Aug' mißt gern der Himmelsbahn Bereich,
Doch nur, sucht dein Blick auch der Sterne Reihn.

Ich träume gern im...

23. Ernst Schulze 1841

Graunvoll saust durch den gellenden Forst hintobend der Sturmwind,
Laut an Fenster und Dach schmettert des Regens Gewalt;
Sieh, wie die Fichte sich tief hinbeugt, wie sie kämpfend emporstrebt,
Horch, wie herab von den Höhn wild das Gewässer sich stürzt...

24. Gisela Etzel 1912

24.
Wie ist der schwere Gang der jungen Frauen
Verheißungsvoll in seiner müden Wucht,
Als hätte er von Reife, Qual und Frucht
Ein seltsames Geheimnis zu vertrauen.

Wie ihre Augen in die Ferne schauen!
Als grüße...

24. Albert Möser 1890

24.
Der Kuß
O komm, von meinem Arm laß dich umschließen,
Dein Lippenpaar woll' mir zum Kuß nicht wehren,
Mir gilts, in heil'gem Dienst den Gott zu...

24. Ernst Schulze 1841

Als wir uns Blumen suchten im Hain, wildrankendes Geisblatt,
Röthliche Haiden und Waldklocken und ewiges Grün,
Dort wo kühn sich der Harzwald thürmt', und die säuselnde Tanne
Rings um Felsen und Thal schaurige Dämmerung wob -
Tändelnd saßen...

25. Gisela Etzel 1912

25.
In meiner Kirche, wo ich täglich bete,
Steht jedesmal, wenn zum Altar ich trete,
An naher Säule schwer ein junger Mann
Und sieht in Qual und voll Begehr mich an.

Mirandola, dies weiß ich, ist sein Name,
Er...

25. Albert Möser 1890

25.
Hernieder schaut' ich von des Berges Rand,
Tiefunten lag die Stadt im duft'gen Thal,
Der Dächer Meer erglomm im Abendstrahl,
Indes der Fluß sich durch die Fluren wand.

Hernieder schaut' ich starr und unverwandt,...

25. Ernst Schulze 1841

Ach, kein flüchtiges Wort, kein traulicher Blick der Geliebten
Ist mir um ewiges Glück feil und um ewigen Ruhm.
Glück, was ist es? Ein lockendes Spiel mit betrügenden Göttern;
Wenn du gewannst, so macht ärmer dich oft der Gewinn.
Ruhm? Ein...

26. Gisela Etzel 1912

26.
In Santa Maria Novella
Da steht ein heiliges Bild,
Dem übermenschliche Gnade
Erbarmend vom Herzen quillt.

Nach Santa Maria Novella
Zum Bilde gehn viele Fraun,
Um seinem verschwiegenen Herzen...

26. Albert Möser 1890

26.
Wie harrt' ich sonst dem holden Lenz entgegen,
Wie grüßt' ich froh des Sonnenlichtes Helle,
Das linde Wehn, die muntre Plauderquelle
Und erstes Grün in Feldern und Gehegen!

Nun wieder liegt der Frost auf allen Wegen -...

26. Ernst Schulze 1841

Schwärmen will ich und tändeln mit dir; o kränze mir, Liebchen,
Kränze den goldenen Kelch hurtig mit sprudelndem Wein!
Koste mit lüsterner Lippe zuvor, und, wenn der Berührung
Geist am Rande noch schwebt, reiche den Becher mir dar,
Daß ich...

27. Gisela Etzel 1912

27.
Wenn ich geschloßnen Auges dieses denke:
"Mein lieber Herr!" so ist es allemal,
Als ob ich mich in eine Flut versenke
Von namenloser blühend roter Qual.

Voll roter Qual, die hoch in Wogen brandet,
Voll roter...

27. Albert Möser 1890

27.
O groß bedünkt der Mann mich, der's verstände,
Sich zu erfreu'n an des Geschickes Gaben,
Doch kalt jedwede Lust auch zu begraben
Und nicht zu trauern, ob sie jählings schwände.

Denn seht! noch gönnt das Glück uns manche...

27. Ernst Schulze 1841

Seidenes Bett, bald hegst du den reizenden Leib der Geliebten,
Ach, schon harret dein Schoos auf die beglückende Last,
Ueppiger schwillst du empor, in den Flaum sank friedliche Ruhe,
Still durch's dämmernde Zelt schlüpfen die Träume dahin.
...