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Sonett CXXXVI. William Shakespeare 1840

Schilt dich die Seele, daß ich kam zu nah,
Dann schwör’ ihr, daß dein Will ich war vor Allen;
Sie weiß es, er war gern gesehen da;
Möcht’ auch mein Liebeslied ihr so gefallen.
5 Will will den Schatz von deiner Liebe füllen,
Mit andern Willen füllen und dem...

Sonett CXXXVII. William Shakespeare 1840

Der thöricht blinde Gott, warum wohl trügt
Die Augen er, die seh’n und doch nicht recht?
Sie wissen, was Schönheit ist, wo sie liegt,
Doch schätzen Bestes sie, als wär es schlecht.
5 Wenn sich das Aug’, verzückt durch falsche Blicke,
Den Hafen sucht, dahin nun...

Sonett CXLIII. William Shakespeare 1840

Wie eine Hausfrau sorglich eilt, zu fangen
Ein Federvieh, das fort ihr ist gerannt,
Ihr Kind hinsetzt, um hurtig zu erlangen
Das Wesen, das ihr Eigenthum genannt,
5 Während ihr ungehütet Knäblein schreit,
Daß bei ihm bleibe sie, die voller Sorgen,
Der...

Sonett CXLIV. William Shakespeare 1840

Zwei Wesen sind’s, voll Trost und Zweifels Bann,
Die, Geistern gleich, mich führen durch die Welt,
Der beßre Engel ist ein schöner Mann,
Der bösre Geist ein Weib, von Farb’ entstellt,
5 Das Sündenweib, um mich zur Höll’ zu raffen,
Lockt meinen bessern Geist von...

Sonett CXLII. William Shakespeare 1840

Lieb’ ist mein Fehl, dein Haß ist Tugendsinn,
Haß meiner Sünd’, gehegt in sünd’ger Lieb’;
Doch stellst mein Thun du neben deines hin,
Nicht findest du, daß Tadel auf ihm blieb;
5 Und wenn: nicht tadel’ es mit deinem Mund,
Der seinen Purpurschmuck hat frech...

Sonett CXLI. William Shakespeare 1840

Nicht meine Augen sind von Lieb’ entflammt,
Da tausend Mängel sie an dir erspäh’n;
Allein es liebt mein Herz, was sie verdammt,
Dem Blick zum Trotz muß Liebe es erfleh’n.
5 Mein Ohr kann deiner Stimme Laut nicht reizen,
Zu schnödem Tasten kein Gefühl sich rührt...

Sonett CXL. William Shakespeare 1840

Sei weise wie du grausam bist, und quäle
Nicht meine stumme Ruh’ mit bitterm Hohn,
Daß Gram nicht Wort mir leih’, und ich erzähle,
Welch’ schonungslose Schmerzen mich bedroh’n.
5 Darf Witz ich lehren dich: so wär’ es besser,
Wenn du nicht lieben kannst, doch...

Sonett CX. William Shakespeare 1840

Ach, wahr ist’s! unstät schweift’ ich her und hin
Und zeigte narrenscheckig mich dem Blick,
Bot Theures feil, befleckt’ den eignen Sinn,
Rief alte Schmach mit neuem Trieb zurück.
5 Wohl habe fremd und scheel ich angeseh’n
Das Wahre; doch ich schwör’s beim...

Sonett CV. William Shakespeare 1840

Laß nicht abgöttisch meine Liebe heißen,
Noch den Geliebten nur ein leer Gedicht,
Da gleicher Weis’ mein Singen und mein Preisen
Von ihm und zu ihm stets dasselbe spricht.
5 Mein Lieb ist freundlich heut und freundlich morgen,
Und stete Treue schmückt ihn...

Sonett CXI. William Shakespeare 1840

Wohl magst du meinem Mißgeschicke grollen,
Der Göttin, die verschuldet meinen Fall,
Zum Leben wollt’ sie mir nichts Beßres zollen,
Als feile Kunst mit feiler Sitten Wahl.
5 So trägt mein Name der Beschimpfung Brand,
So zeigt erniedrigt tief mein ganzes Leben...

The Passionate Pilgrim William Shakespeare 1598

Fair is my love, but not so fair as fickle;
Mild as a dove, but neither true nor trusty;
Brighter than glass, and yet, as glass is, brittle;
Softer than wax, and yet, as iron, rusty:
A lily pale, with damask dye to grace her,
None fairer, nor none falser to...

Sonett CXIII. William Shakespeare 1840

Seit fern ich von dir, ist mein Aug’ im Sinn;
Was leitend mich auf meinen Wegen richtet,
Hat seine Kraft getheilt, ist blind dahin,
Scheint sehend zwar, doch ist es ganz vernichtet.
5 Denn nicht dem Herzen kann es übergeben
Die Form, die Blum’ und Vogel dar ihm...

Sonett CXLV. William Shakespeare 1840

Dem Mund, auf dem die Liebe blühte,
Entfloh das bittre Wort: „ich hasse“,
Zu mir, der schmachtend nach ihr glühte.
Doch sieht sie kaum, daß ich erblasse,
5 Als Mitleid schnell durchzieht ihr Herz;
Sie straft die Zunge, welche zart
Sonst nur gewohnt war...

Sonett CVIII. William Shakespeare 1840

Was kann mein Hirn für Zeichen noch erfinden,
Die nicht mein treues Herz dir schon beschrieb?
Was gäb’s zu sprechen neu, was zu verkünden,
Das meiner Lieb’ und deinem Lob verblieb? –
5 Nichts, süßer Knabe! Wie ein fromm Gebet
Muß täglich ich dieselben Worte...

Sonett LVII. William Shakespeare 1840

Dein Sklave bin ich, sollt’ ich Andres streben,
Als willig stets vollziehen dein Begehr?
Kostbare Zeit nicht hab’ ich zu vergeben,
Noch Dienste, da allein ich dir gehör’!
5 Nicht darf ich schmäh’n die langen Marterstunden,
Die ich, mein Herr, so oft für dich...

Sonett CXIX. William Shakespeare 1840

Wie trank ich Becher voll Sirenenthränen,
Gebraut in Kesseln voller Höllengraus,
Da Furcht und Hoffnung abwechselnd mich höhnen,
Gewinn ich mißte, denn ich sah voraus!
5 In welchem Irrthum war mein Herz befangen,
Da es gedacht, so würd’ es nie beglückt!
...

Sonett CLIII. William Shakespeare 1840

Cupido einst den Brand zur Seite schlief;
Dianens Mädchen fand ihn glücklich dort,
Und tauchte seine Liebesfackel tief
In einen kühlen Quell an jenem Ort.
5 Sogleich durchzieht die heil’ge Liebesgluth
Mit heißen Flammen ihn auf ew’ge Zeit,
Als heißes Bad...

Sonett CXII William Shakespeare 1840

Du heilst mit Liebeswort die Schmerzenswunde,
Die auf die Stirn’ mir Pöbellust gebrannt.
Sei gut, sei schlecht mein Ruf in Aller Munde,
Wenn gut, wie schlimm dein Herz mich hat erkannt.
5 Du bist mein All! zu wissen muß ich streben,
Ob mir dein Lob, ob deine...

Sonett CXXVII. William Shakespeare 1840

Vor alter Zeit ward Schwarz nicht schön erachtet,
War’s, trug es doch der Schönheit Namen nicht;
Doch nun wird Schwarz als Schönheitserb’ betrachtet,
Und Bastardschmach entstellt ihr Angesicht.
5 Seit jede Stümperhand Natur sich glaubt,
Das Häßliche verschönt...

Sonett CVII William Shakespeare 1840

Nicht eigne Furcht, nicht das Prophetendichten
Der weiten Welt, die Zukunftsträume nährt,
Kann meiner treuen Liebe Bund vernichten,
Als ob mein Recht auf Frist mir nur gewährt.
5 Der bleiche Mond, er konnt’ Verfinsterung höhnen,
Der Augur...