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Xiii. Gottfried Keller 1806

XIII.
Du willst dich freventlich emanzipieren
Und aufstehn wider mich mit keckem Sinn,
Auf's eigne Fäustchen deine Wirtschaft führen,
Du schöne kleine Jakobinerin!?

Zur Politik nun auch dein Wörtlein sagen,
Aus...

Xi. Gottfried Keller 1806

XI.
Ich ging am grünen Berge hin,
wo sich der Weih im Äther wiegt
Und reisemüd der Sonnenstrahl
ausruhend auf der Quelle liegt,
Wo wilde Rosen einsam blühn,
die Föhre hoch den Gipfel kränzt
Und drüberhin...

X. Gottfried Keller 1806

X.
Hör' an, mein Kind, was ich dir kosend sage,
Wie mich ein Traum betrog so wunderbar:
Es war an einem stillen Feiertage,
Als ich mit dir bei Gott im Himmel war.
Er schaute eben noch vom Taubenschlage
Aus in die...

Wie eine Blume der Sturm hat Kummer das Herz mir entblättert, Adele Schopenhauer 1839

Wie eine Blume der Sturm hat Kummer das Herz mir entblättert,
Und das zerrißne Gefühl flattert nun irrend umher.

Ist's doch noch lange nicht Herbst, wohin ihr verwehenden Blüthen?
Fruchtlos verödender Stamm, wurzelst umsonst du so fest?
...

Wende die Blicke von mir! O laß Deine Schönheit nicht fragen: Adele Schopenhauer 1839

Wende die Blicke von mir! O laß Deine Schönheit nicht fragen:
Ob ich die Sonne gekannt? ob nie ihr Strahl mich berührt?
Laß dieses dämmernde Licht, genug, um den Pfad zu erkennen,
Tag und Aurora mir seyn; frage auch schweigend mich nicht!
...

Weihnachten wird es für die Welt! Adele Schopenhauer 1839

Weihnachten wird es für die Welt!
Mir aber - ist mein Lenz bestellt,
Mir ging in solcher Jahresnacht
Einst leuchtend auf der Liebe Pracht!
Und an der Kindheit Weihnachtsbaum
Stand Englein gleich der erste Traum!
Und...

Viii. Gottfried Keller 1806

VIII.
O Leib meiner Dame, du köstlicher Schrein,
Wo Gott seine köstlichste Perl' legt' hinein,
Nun ruhst du und schläfst du, doch in dir erstrahlt
Die träumende Perle im sonnigsten Schein!
Den zartesten Liljengeist bergender...

Vii. Gottfried Keller 1806

VII.
Von heißer Lebenslust entglüht
Hab' ich das Sommerland durchstreift;
Drob ist der Tag schön abgeblüht
Und zu der schönsten Nacht gereift.
Ich trete auf des Berges Rücken
Einsam in's offne Waldestor
...

Vi. Gottfried Keller 1806

VI.
Wohl ist die Lilie wunderbar,
Wenn stolz sie sich im Garten wiegt,
In ihrem Kelche, sonnenklar,
Langsam der Morgentau versiegt;
Doch mag ich gehn und wandern,
So weit nur Lilien stehn,
Ist keine vor...

V. Gottfried Keller 1806

V.
Viele Wochen sind entflohn,
Seit ich Dich gesehen;
Hab' auch lange Tage schon
Keine Blum' gesehen!

Keine Blumen und kein Lieb -
Ach was soll das werden?
Was soll aus dem Frühlingstrieb...

Unter den hellen nickenden Blüthen Adele Schopenhauer 1839

Unter den hellen nickenden Blüthen
Da möcht' ich liegen - und träumen!
Wie Englein den Schlaf mir behüten,
All meine Wolken mit Golde umsäumen,
Erwecke mich nicht!
Ich bin so müde!

Und wie die Winde leise...

Mich grüßt der Lenz in tausend Blüthenkronen, Adele Schopenhauer 1839

Mich grüßt der Lenz in tausend Blüthenkronen,
Mich ruft der Wald, mich lockt das stille Thal,
Was mir so fern, scheint wie in lichtem Traume,
Wie Geisterflug vorüber mir zu streifen,
Will mit Gewalt noch einmal mich ergreifen!
...

Könnt' ich einmal, einmal nur Adele Schopenhauer 1839

Könnt' ich einmal, einmal nur
Deine klaren Augen sehen!
Still wollt' ich dann weiter gehen
Und das Leben wieder lieben,
Keine Wolke sollte trüben
Mir der hellen Sterne Spur.

Könnt' ich einmal, einmal nur,...

Ix. Gottfried Keller 1806

IX.
Es bricht aus mir ein bunter Faschingszug
Und zieht dahin mit tönendem Gepränge;
Talüber wallt im luftigen Gedränge
Ein Bilderreigen, mein Gedankenflug.

Wie spielend sie die Luft hinübertrug,
So ranken sich...

Iv. Gottfried Keller 1806

IV.
Nun in dieser Frühlingszeit
Ist mein Herz ein klarer See,
Drin versank das schwere Leid,
Draus verdampft das leichtre Weh.

Spiegelnd mein Gemüte ruht,
Von der Sonne überhaucht,
Und mit Lieb'...

In deiner Seele klarem Leben Adele Schopenhauer 1839

In deiner Seele klarem Leben
Da ruht mein wahres Glück allein,
Die Ferne kann mir Freude geben,
Mit Dir nur kann ich selig seyn.

In Deines Geistes raschen Flügen
Trägt leicht das schwere Leben sich -
Das Andre...

Iii. Gottfried Keller 1806

III.
Sitzt man mit geschloßnen Augen
Einsam in dem dunkeln Zimmer,
Blitzt oft durch die zarten Lider
Plötzlich roter Kerzenschimmer;
Weiß ich doch, daß Sonnenstrahlen
Durch die Augendeckel dringen
Und in...

Ii. Gottfried Keller 1806

II.
Durch's Frührot zog das Wolkenschiff
vor einem hellen Frühlingstag,
Als ich, ein träumend Schülerkind,
im morgenstillen Felde lag;
Ein Falter streifte meine Stirn,
und vor mir eine Lilie stand;
Ich...

I. Gottfried Keller 1806

I.
Ich will spiegeln mich in jenen Tagen,
Die wie Lindenwipfelwehn entflohn,
Wo die Silbersaite, angeschlagen,
Klar, doch bebend, gab den ersten Ton,
Der mein Leben lang,
Erst heut noch, widerklang,
Ob die...

An L. S. Adele Schopenhauer 1839

So laß uns Beide - Beide schweigen!
Kein Blick, kein Hauch verkünd' es je!
Stumm schied ich, stumm will ich mich zeigen,
Wenn ich Dich jemals wiederseh!

Es giebt kein Wort, damit zu sagen,
Was meine Seele für Dich fühlt!...