Erich Mühsam

  • Durch nahe Bäume wehen Grabesschauer;
    so fern dem Lebenslärm wie jene Grüfte,
    ruht unser Schritt am Fuß der Kirchhofsmauer, -
    trinkt meine Hand den Atem deiner Hüfte.
    Mein Mund versinkt im Dufte deiner Haare,
    die gleich der Nacht...

  • Alle Lippen, die ich küßte;
    die mich betteten, alle Brüste;
    jeder Leib, den ich betastete;
    jeder Arm, in dem ich rastete;
    jeder Blick, der mich verleitete;
    jede Lust, die ich bereitete, -
    sollen, will ich in den...

  • Ich bin ein Pilger, der sein Ziel nicht kennt;
    der Feuer sieht, und weiß nicht, wo es brennt;
    vor dem die Welt in fremde Sonnen rennt.

    Ich bin ein Träumer, den ein Lichtschein narrt;
    der in dem Sonnenstrahl nach Golde scharrt;...

  • Auf den Knien bin ich hierhergekrochen
    und suchte mein Herz, ob's nicht zerbrochen
    am Fuße eines Baums verdorrt,
    zerspalten von eines Blitzes Wucht. -
    Ich find' es nicht, das arme Herz.
    Es liegt wahrscheinlich anderwärts,...

  • Ewig gleich ging Cleos Leben
    eheloser Einsamkeit.
    Theo wohnte gleich daneben
    mit der Seele, sehnsuchtsweit.
    Cleo Theo sehn -
    Theo Cleo sehn -
    und um beide war's sogleich geschehn.
    Weh, o Cleo!
    ...

  • Riesengroße Rosengrüße
    sandte ich zum Wiegenfeste
    ihr, der einzig Heißgeliebten,
    einen Brief dabei erhielt sie,
    darin stand: ich liebe Dich,
    Hilde, meine holde Hilde!
    Hilf mir, Hilde, und erhöre
    meine...

  • Leis' verhallen ferne Geigenklänge,
    und ein Köter bläfft gedämpft dazu.
    Milde warnt der Vollmond durch die Scheiben -
    sieht, wie wir uns lieben - ich und du.
    Ach, er gönnt uns unser junges Treiben
    und schickt alles, was uns stört...

  • Eine Lilie nickt von meinem Tisch,
    beugt die blätterschweren hohen Stengel
    über mein Papier -.
    Geh' mit deinen vorgestreckten Zungen!
    Nein, doch! Bleib' nur, frecher Bengel -
    Du wirst wissen, wen ich angesungen:
    bist...

  • Drück' mir die Hand, daß mich dein Leid beglücke,
    dein heiligreines Leid, das meinem gleicht.
    O könnt ich doch, wenn deine Hand ich drücke,
    das Glück dir lügen, das uns nie erreicht.
    O könnt' mein Blick in deinen Hoffnung gießen,...

  • Angst packt mich an.
    Denn ich ahne, es nahen Tage
    voll großer Klage.
    Komm du, komm her zu mir! -
    Wenn die Blätter im Herbst ersterben
    und sich die Flüsse trüber färben
    und sich die Wolken ineinander schieben -...