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101. Otto Heinrich Graf von Loeben 1905

101.
Ein Mädchen, aus dem Mittelstand entsprossen,
Für alles Froh' und Gute voll Bewegung,
Und klügrer Einsicht fern, und klügrer Pflegung,
So war, um die ich Thränen hier vergossen.

Und wie sie mich das erstemal...

102. Otto Heinrich Graf von Loeben 1905

102.
Herb' ist es, wo zwei Liebende sich trennen,
Am lezten düstern Abend sich bestellen,
Und trostlos wanken von den stummen Schwellen;
Was da das Herz zerreißt, ich lernt' es kennen.

Und wenn in Busen, die für Liebe...

103. Otto Heinrich Graf von Loeben 1905

103.
Dem Wandrer, den auf einer eil'gen Reise
Ein schnellentstandner Wasserstrom verhindert,
Bleibt sichre Hoffnung, daß er sich vermindert,
Geduld, bis er zurük in seine Gleise.

Der Schiffer feiert an des Flusses Eise,...

104. Otto Heinrich Graf von Loeben 1905

104.
Die Stadt, wo ich so vieles Glük genossen,
So viele schöne Regungen empfunden,
Umgiebt mich wieder; Jahre werden Stunden,
Nun mich die alten Freunde rings umschlossen.

Und alles grüß' ich, so wie Hausgenossen,...

105. Otto Heinrich Graf von Loeben 1905

105.
Ist hier das Haus, das unsrer Liebe Sehnen
Zum Tempel weiht' allseliger Gefühle?
Der Tempel steht, ein Haus voll öder Kühle
Will über seine Priesterin sich lehnen.

Wie sich die Häuser einsam vor mir dehnen!...

106. Otto Heinrich Graf von Loeben 1905

106.
Du stille Hütte, die uns gern empfangen,
Wo süße Blumen wir so oft gefunden,
Wenn draußen alle tief im Schnee verschwunden,
Auf kahlen Aesten kleine Vögel sangen!

Wie fröhlich kam ich zu dir hergegangen,
...

107. Otto Heinrich Graf von Loeben 1905

107.
Ich segne den Entschluß, der Wünsche Dringen,
Die mich zu dir und deines Stromes Wogen,
Du traute Stadt, mit süßer Macht gezogen,
Den alten Gruß von neuem dir zu bringen.

Wie meine Schmerzen auch mich laut umfingen,...

108. Otto Heinrich Graf von Loeben 1905

108.
Sonst schwindet langsam mit dem Trauerkleide
Das stete Weh', das Suchen und Vermissen,
Die Wunde, die man anfangs aufgerissen;
Doch meine Liebe wächst mit meinem Leide.

Oft von Eurydicen auf blum'ger Weide
...

109. Otto Heinrich Graf von Loeben 1905

109.
Am Fenster oft verträum' ich ganze Stunden;
Ich weiß nicht was ich will und was ich denke;
Ich blick' auf Kleider, zierliche Gehenke,
Und traure, wenn sie von der Straß' entschwunden.

Ein dunkles Haar, auf deine Art...

11. Adolf Böttger 1846

Es flammen hell im Saal die Girandolen,
Musik durchströmt den Raum mit süßen Tönen;
Begeistert lauscht die Reihe junger Schönen,
Ein bunter Flor von Tulpen und Violen.

Der Blick des Jünglings schweift indeß verstohlen
Auf...

11. Gisela Etzel 1912

11.
Der Wegrain blüht; die goldnen Königskerzen
Umdrängen still und stolz den alten Zaun,
Und all der Malven offne Blütenherzen
Sind wie ein liebes Wunder anzuschaun.

Die Glockenblumen öffnen ihre Tüten
Und...

11. Amara George-Kaufmann 1888

11.
Es erwachen wilde Wetter,
Brausen über Flur und Hain,
Streuen herbstlich welke Blätter
Mitten in den Strom hinein.

Aber ob sie wild und wilder
Stürme, diese Herbstnatur -
Ich erblicke...

11. Albert Möser 1890

11.
Vor deinen Zauberblicken müssen weichen
Im Kreis der Fraun die strahlenden Gesichter,
Gleichwie des Himmels kleine Sternenlichter
Im Feuerglanz der Sonnengluth erbleichen.

Ein jeder Zug an dir ist ohnegleichen,...

11. Ernst Schulze 1841

Liebchen, o komm zum ländlichen Fest, das ich heute bereitet,
Wahrlich, im fröhlichen Kreis fehlte die Grazie sonst!
Sieh, zur arkadischen Flur ward rings der verödete Harzwald,
Hoch am schroffen Gebirg winket der Tempel der Lust.
...

11. An eine Kette und Armband Wer frey ist, ist am minsten frey Daniel von Czepko 1671

Warum schleust du den Hals und deine weisse Hand
An diese goldne Kett', an dieses goldne Band?
Indem du dich geziert, und gehest wie gefangen,
So führst du mich herumb, und bindest mein Verlangen.
Die Schönheit ist mein Joch. Drumb ist es recht...

11. Biß voller Betrug wieder ein Geschlechte, das gleicher Art ist Daniel von Czepko 1671

Und der Verstellung Schein nihm um dich, wo du bist;
Wird dir ie was vergunt, ein ander ist wie du;
Drumb must du leichte seyn und fertig immer zu.
Treu und Beständig seyn ist hie Betrügerey;
Und dis Geschlechte kommt am nechsten diesem bey...

12. Gisela Etzel 1912

12.
Komm, Knabe, komm und sieh mir in die Augen,
Die dunkel sagen, daß sie dich verstehn,
Und daß sie still mit deinen Schmerzen gehn,
Um sachte deine Seele aufzusaugen.

Um deine stumme Inbrunst einzutrinken,
...

12. Amara George-Kaufmann 1888

12.
Nicht der Harm der Trennung ist es,
Was da macht, daß mir vor Wehe
Fast die Brust zerspringt; der Liebe
Maßberaubtes Feuer ist's.

Trennung - giebt es die für uns noch,
Da wir uns so tief geeinigt,...

12. Albert Möser 1890

12.
Sei nicht so schön! - Mich lockt's mit Macht, zu schauen
Des Leibes Maß, den Schmelz des Angesichts,
Mein Aug' spürt Glanz wie Glanz des ew'gen Lichts,
Und doch - der Anblick giebt mir Angst und Grauen.

Zu hoch stehst...

12. Ernst Schulze 1841

Laulich schlüpfte der West durch des Harzwalds schauriges Dunkel,
Ueber den felsigen Höhn spielte das Abendgewölk,
Sehnsucht rieselt' im Quell, und im Berghain rieselte Sehnsucht,
Sehnsucht wiegte sich her auf dem entfernten Geläut,
...