1.

HTML Title: 

1.

Title Word Count: 

0

Include: 

Yes

Collection: 

Poet: 

Year Written: 

1709

Year Rounded: 

1 700

Poem: 

1.
So soll vernunfft und freyheit ganz verschwinden?
Ihr schönen augen thut gewalt an mir /
Welch feuer / welche glut wil meine seel entzünden?
Es dringt durch marck und bein herfür.
Soll auch der leib in asche sich verwandeln?
Ein holder engel wird ja nicht so grausam handeln.

2.
Das ist ein spiel von dir / du falsches glücke.
Was mir nicht werden kan / das zeigst du mir.
Du machst mir lust und leyd in einem augenblicke /
Und quälest mich zur ungebühr /
Was hilft der schatz / bey welchem so viel drachen /
Die nicht zu zähmen sind / mit hundert augen wachen?

3.
Es stund mir sonst das land der freuden offen /
Wo zucker wächst / wo milch und honig fleust.
Was soll die seele nun in dieser wüsten hoffen /
Als was mich die verzweifflung heist?
Mein trost läst mich zu seiner lust verderben /
Ich soll / ist das erhört? im paradise sterben.

4.
Ihr augen lacht / lacht nur zu meinem leide /
Ergötzet euch an meiner seelen qual.
Ihr lippen / nennet nur mein klagen eure freude;
Du herz / noch härter als ein stahl /
Magst über mich nur immer triumphieren /
Gnug / daß ich meinen sieg im tode werde spüren.

5.
Wolan / ich wil durch mein verhängnis sterben /
Die liebe wird mir eine schwindsucht seyn.
Ich werde nach und nach durch dieses gifft verderben.
Ich sauge solches täglich ein.
Jedoch du bleibst mir stets ins herz geschrieben /
Drum werd ich meinen todt auch in der asche lieben.
(Theil 3 S. 105-106)

Poem StrLen Difference: 

35