Xvi.

HTML Title: 

XVI.

Title Word Count: 

1

Include: 

Yes

Collection: 

Poet: 

Year Written: 

1806

Year Rounded: 

1 800

Poem: 

XVI.
Schon war die letzte Schwalbe fort
Und längst seit vielen Wochen auch
Die letzte Lilje abgedorrt,
Nach altem Erdenbrauch.

Es flimmerte der Buchenhain
Wie Rauschgold rot im Abendlicht -
Herbstsonne gibt gar sond'ren Schein,
Der stets in's Herz mir sticht.

Ich traf sie da im Walde an,
Nach der allein mein Herz begehrt,
Mit weißen Kleidern angetan,
Von goldnem Schein verklärt.

Sie war allein; doch grüßt ich sie
Nur ehrfurchtsvoll im Weitergehn,
Weil ich sie, seit ich liebte, nie
So still und schön gesehn.

Doch schaut' aus ihrem Angesicht
Ein fremdes Etwas kalt hervor;
Es lag vor ihrer Augen Licht
Wie leichter, dunkler Flor.

Es war, als ob dicht hinter ihr
Ein Schatten schwebt' im Abendstrahl,
Der gaukelnd, lachend gegen mir,
Ihr folgte durch das Tal.

"Mir ist ein Nebenbuhl' aufgewacht!"
Sprach ich und sah in's Abendrot,
Bis es erlosch und bis die Nacht
Die Totenhand mir bot. (S. 86)

Poem StrLen Difference: 

0