173.

HTML Title: 

173.

Title Word Count: 

0

Include: 

Yes

Collection: 

Poet: 

Year Written: 

1876

Year Rounded: 

1 600

Poem: 

O Venus, die du uns mit deinen flammen
Durch marck und seele dringst,
Und hertzen, die es nie gemeint, zusammen
Sich zu begeben zwingst,
Komm doch her und thue das best
Hie auf diesem hochzeit-fest!

Schau auff die braut und ihrer tugend gaben,
Schau auff den bräutgam hin,
Sie sind es, die sich dir verpflichtet haben
Mit hand und mund und sinn,
Komm, verschertze durch dein band
Ihre sinnen, mund und hand.

Du kanst dich tieff in unsre hertzen sencken,
Und nimst mit süsser pein
Da, wo wir es am wenigsten gedencken,
Den platz der seelen ein;
Daß man liebet ohne ruh,
Süsse Venus, das machst du.

Nicht die du pflegst die hertzen zu vergeilen,
Dich arge mein ich nicht,
Die du uns triffst mit keuschen liebes-pfeilen,
Und eheliche pflicht
Zweyen hertzen aufferlegst,
Und ein keusches feur erregst,

Dir ruff ich zu, du must von dem her kommen,
Der alles geben muß,
Du kanst auch nichts, als nützlich seyn und frommen,
Du bringest nie verdruß;
Segen, ruh und einigkeit
Geben stets dir das geleit.

Was? ist sie nicht schon bey uns auff dem saale?
Ach ja, schaut nur empor,
Ihr helles liecht und ihres feuers strale
Blinckt wie im gold hervor;
Weg, was ihr im wege steht,
Machet raum da, wo sie geht!

Sie träget in der hand die heisse kertzen,
Ihr kleines volck ist wach
Und führet ihr der küsse thun, das hertzen,
Bald auff der fersen nach;
Diesem folgt der liebes-sieg,
Dann auch fried und gutes glück.

Nemt euch in acht, ihr jungfern und gesellen,
Ihr kind, das spät und früe
Durch seine krafft sich uns bemüht zu fellen,
Ist auch mit ihr allhie,
Geht im saal herumb und schaut
Auff den breutgam und die braut.

In mittelst, was er kan und mag erreichen,
Das macht er eilends wund,
Wer ihn nicht kennt, der merck' ihm diese zeichen:
Sehr freundlich ist sein mund,
Purpurfarb ist seine tracht,
Pfeil und bogen seine macht.

Er wird im tantz am meisten seyn zu spüren,
Bald geht er mitten ein,
Bald wird er selbst verdeckt den reyen führen,
Bald gar der letzte seyn;
Schertz und list, die uns bethört,
Ist, was sonst ihn kennen lehrt.

Die augen sind ihm beyde zugebunden,
Doch scheut ihn nicht zu viel,
Er trifft uns zwar, jedoch mit süssen wunden,
Durch ein gewünschtes spiel,
Wunden, die das sterben fliehn
Und das leben auff sich ziehn.

Ich weiß, daß jetzt sich braut und breutgam freuen
Nur über seiner list,
Die ihnen nun zum leben sol gedeyen
Und recht das mittel ist,
Daß ihr nahm in dieser welt
Nach dem tode raum behelt.

Schaut, wie sie schon einander freundlich wincken,
Die flamme steigt empor,
Die augen sind, wie wann die sterne blincken,
Geht, lasst die braut hervor;
Venus wil nicht länger stehn,
Sagt, Bie sol zu bette gehn.

Nun, kömpt sie? Ja, der Venus völcker springen
Und jauchtzen vor ihr her,
Ich sehe Gott viel segen auff sie bringen,
Das horn ist vol und schwer,
Schwer von glück, und segens voll,
Das sie überschütten sol. (S. 417-419)

Poem StrLen Difference: 

111